Juden in Bremerhaven

Bremerhaven ist eine Hafenstadt an der Nordseeküste und gehört zum Bundesland Bremen.

Erste Kenntnis von jüdischem Leben in Bremerhaven gewann man durch einen Schutzbrief für einen Juden im Ort Lehe , der nach 1730 ausgestellt wurde. Um 1830 wurde dort eine kleine Gemeinde gegründet. 1816 umfasste sie 10 Familien, etwa 60 Personen. In den folgenden Jahrzehnten gab es stetige Zuwanderung, wohl mitbedingt durch den Bau eines Seehafens im Jahre 1827. Der Hafen entwickelte sich bald zu einem Zentrum der Auswanderung vor allem aus dem östlichen Europa.

Einen Friedhof gab es bereits seit den 1760er Jahren. 1878 wurde eine große Syngoge mit 300 Sitzplätzen erbaut, die im Novemberpogrom 1938 verwüstet und zerstört wurde. Die Zahl der Juden in Bremerhaven ging von 340 im Jahre 1933 auf 113 im Jahre 1939 zurück. Die letzten hier verbliebenen Juden wurden 1941 nach Minsk und 1942 nach Theresienstadt deportiert.

Das bekannteste Mitglied der Jüdischen Gemeinde Bremerhaven war Julius Schocken, der 1903 ein Kaufhaus gegründet hatte, später ein weiteres erwarb, und von 1928 bis zu seinem Tod 1934 das Amt des Synagogenvorstehers bekleidete und sich durch viele Wohltätigkeit einen Namen machte.

Seine Witwe und seine Tochter wurden nach Minsk deportiert und dort ermordet. Zu ihrem Gedenken haben Bürger der Stadt 1991 den Jeanette-Schocken-Preis für Literatur gestiftet. Die Villa der Familie beherbergt heute eine Einrichtung der Altenpflege.

Auch erst seit 1991 gab es in Bremerhaven wieder eine nennenswerte Anzahl von jüdischen Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion zugewandert und nach Bremerhaven verteilt worden sind. Die sehr wenigen, vorher in der Stadt ansässigen jüdischen Menschen waren verstreut und versteckt kaum zu finden. Einer von ihnen, Günther Schmidt, Lehrer an einer Schule und bisher Gemeindemitglied in Bremen, sah sich nunmehr ermutigt, die Menschen zu sammeln und die Gründung eine jüdischen Gemeinschaft Bremerhaven voranzutreiben. Nach mehreren Jahren gelang es. Eine Gemeinde mit Satzung und Vorstand lebte auf und auch eine Synagoge wurde im Jahr 2000 eingeweiht. Der Magistrat hat ihnen eine kleine Kirche der früher hier stationierten US-Streitkräfte überlassen, die Kreuze wurden entfernt und das Gebäude zu einer Synagoge umgewidmet.
Die Gemeinde wird seither religiös vom Landesrabbiner aus Bremen mitbetreut.